Der Werwolf zu Wahl

Vor gar vielen Jahren war ein Mann aus Wahl mit dem Pfarrer in Streit geraten und hatte demselben Grobheiten gesagt und Drohungen gegen ihn ausgestoßen. Das müsse er, sagte der Pfarrer, schwer büßen. Am folgenden Sonntag verließ der Mann kurz vor der Wandlung die Kirche und war seit dieser Zeit verschwunden. Dagegen erschien nun jeden Tag ein Wolf in der Küche des verschollenen Mannes, um Nahrung zu suchen, wurde aber stets von den Kindern des Hauses verjagt und verfolgt. Nach dem Tode des Pfarrers verschwand der Wolf aus der Gegend. Zu Ell aber gesellte sich von diesem Tage an jede Nacht ein Wolf zu den Grenzaufseher, die im Walde den Schmugglern auflauerten. Dieser Wolf zeigte sich bald so zahm, daß die Grenzaufseher ihm sogar von ihrem Essen mitteilten. Auch erzahlten sie, da ihnen des Tieres Gebahren sehr auffiel, eines Tages dem Pfarrer davon. Dieser gab ihnen eine silberne Kugel. die er gesegnet hatte, und hieß sie, dieselbe so auf den Wolf abzuschießen, daß derselbe nur an einem Fuße verwundet würde. Die Grenzaufseher taten, wie ihnen befohlen war, und sieh! da stand vor ihnen jener verschollenen Mann aus Wahl, blutend an einem Fuße, abgehärmt und hager. Seine eigenen Kinder hatten ihm nach dem Leben getrachtet.

(N. GREDT, Sagenschatz des Luxbg. Landes)


index