Das verwünschte Fräulein zu Rimmel

Zwischen Arsdorf und Rambrouch befand sich ehemals das kleine Dorf Rimmel, das nur zwölf bis fünfzehn Hauser zählte. Noch heute finden sich zahlreiche Spuren davon vor. Gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts starben alle Einwohner dieses Dörfchens an der Pest, mit Ausnahme von drei Fräulein, von denen die eine nach Frankreich ging, die zweite in Rambrouch starb, und die dritte, welche mit dem Aussatz behaftet war, sich fern von den Menschen, auf dem Felde, inmitten ihrer Güter, eine Hütte errichtete und dort ein armseliges Leben führte: später jedoch nahmen Leute von Heispelt diese bei sich auf und verpflegten sie bis zu ihrem Tode, worauf ihnen deren große Güter zufielen. Der Ort, wo Rimmel stand, trägt heute diesen Namen. Daselbst befindet sich ein Sumpf an der Stelle, wo ehemals der Dorfbrunnen gewesen sein soll An diesen Brunnen knüpft sich folgende Sage: Die eine der drei erwähnten Fräulein ist als Schlange in den Brunnen verwünscht worden. Alle hundert Jahre steigt sie einmal herauf und trägt dann einen goldenen Schlüssel im Munde. Damit der Zauber gehoben werde, muß ein Mädchen mit seinem eigenen Mund den Schlüssel aus dem Munde der Schlange herausnehmen. Ist dies geschehen, dann zeigt die erlöste Jungfrau der Erretterin eine große Kiste mit Geld, welche sie mit dem Schlüssel öffnen kann. Einst entschloß sich ein Mädchen, das Wagnis zu bestehen. In dem Augenblick aber, wo es den Schlüssel mit dem Mund erfassen sollte, schauderte es vor der gräßlichen Gestalt der Schlange zurück und hatte den Mut nicht mehr, den Schlüssel zu nehmen. "0 weh!" rief die Schlange, "jetzt muß ich noch einmal hundert Jahre warten, bis ich wieder heraufkommen darf!" Darauf versank die Schlange mit dem goldenen Schlüssel in den Brunnen.

(Nr. 658. Nic. GREDT: Sagenschatz des Luxbg. Landes)